Astrobiologie - Leben auf der Erde und im All

Vortrag in Minden: Astrobiologie - Leben im Kosmos?

Veranstaltung für die Tafel Minden und zu Ehren von Anneliese Stärke

 

Die sozialen, philosophischen und religiösen Folgen eines Kontaktes mit außerirdischem Leben

 

Die moderne Astrobiologie ist eine Schnittstellenwissenschaft, in der Erkenntnisse aus Astrophysik, Geologie, Biologie, Chemie, Computerwissenschaft, Neuro- u. Geisteswissenschaften u. a. kombiniert werden, um Fragen wie diese zu beantworten: Was macht(e) Leben auf der Erde überhaupt möglich und existieren diese Bedingungen auch anderswo oder zu anderen Zeiten im Kosmos? Was ist überhaupt Leben? Unter welchen Bedingungen passt sich Leben auf der Erde oder möglicherweise auch anderswo an und entwickelt sich weiter? Kann es Leben geben, das anderes ist als solches, das wir kennen? Auch philosophische Fragen ergeben sich aus dem Fach: Ist postbiologisches intelligentes Leben ("Roboter"?) auch "Leben"? Könnten wir mit intelligentem Leben, dessen Bewusstsein anders strukturiert ist, überhaupt kommunizieren? Hier berührt die Astrobiologie die Philosophie, Kommunikationswissenschaft u. Ä.
Erst seit 2009 kennen wir hunderte Planeten um entfernte Sonnen, auf denen u. U. ähnliche Bedingungen vorliegen. Die Zahl entdeckter Exoplaneten nimmt rasant zu. Dies liegt an modernen Instrumenten, die uns erstmals eine detaillierte Suche erlauben. Welche Auswirkungen wird es haben, wenn Leben von außerhalb der Erde entdeckt wird? Wie verändern sich dadurch Wissenschaft, Philosophie, Religion, Politik …? Der Vortrag geht nur auf gesicherte wissenschaftliche Aspekte ein und nicht auf "Ufologie" u. Ä. (das wäre ein ganz anderes Thema ...)

 

Dieser Vortrag fand am 08. Januar 2019 von 19-21.30 statt. 
Nächster Termin mit ähnlichem Inhalt wird hier jeweils veröffentlicht. Vermutlich im Spätsommer 2019 in einem Gymnasium in Minden.

 

Dr. Björn Migge studierte Astrophysik (nicht zuende), dann Medizin und soziale Verhaltenswissenschaften mit Philosophie. Facharztausbildung im Klinikum Nord Hamburg. Bis 2000 Oberarzt und Universitätsdozent am UniSpital in Zürich, dann Praxisklinik in Minden. Taucherarztausbildung GTÜM. Mitglied in der Deutschen Astrobiologischen Gesellschaft. Seit 2004 Weiterbildungsinstitut Dr.Migge-Seminare GbR. Autor zahlreicher Fachbücher und Hochschulkurse.

 

Wo kann man Astrobiologie studieren?

Wer in der Astrobiologie forschen möchte, findet seinen Weg in Deutschland meist über das Studium der Physik, Geowissenschaften, Biologie, Biochemie oder Chemie in das vernetzte Forschungsgebiet. So kann eine Studentin beispielsweise Physik studieren, um sich später auf ein Gebiet der Astrophysik zu konzentrieren, das für die Astrobiologie relevant ist, wie die Erforschung von Planeten. Oder ein Student wählt innerhalb der Physik eine Spezialisierung in Geophysik, also der Erforschung der Prozesse innerhalb der Erde, ihrer Kruste oder ihrer Atmosphäre. Durch dieses Wissen lassen sich die Prozesse auf anderen Planeten verstehen und erforschen. Wer zunächst Geologie studiert, kann später die Veränderungen von Oberflächenstrukturen und Materialien (Gesteine etc.) auf der Erde und auf anderen Monden und Planeten verstehen und erforschen. Durch das Studium der Biologie gewinnt man einen tiefen Einblick in die Grundbedingungen des Lebens sowie seiner Anpassung (Evolution) und in die Prozesse auf sehr kleiner Ebene (Biochemie). Wer Chemie studiert, kann die Stoffumwandlung in lebendigen und nicht lebendigen Strukturen verstehen und erforschen, ... Die Liste ließe sich lange fortsetzen um weitere Studiengänge und Spezialisierungen.

 

Vorstandsmitglied in der DAbG e. V. Henry Strasdeit ist Professor für bioanorganische Chemie und chemische Evolution an der Universität Hohenheim in Stuttgart.

Es führen also viele Wege zur Astrobiologie. Diese Kombinations- und Schnittstellenwissenschaft ist sehr kommunikativ, da die verschiedenen Fachleute ihre Kompetenzen bündeln und integrieren müssen. Niemand kann all diese Fachgebiete überblicken. Jeder ist ein Spezialist auf seinem Gebiet und doch müssen Forschungsteams grundsätzliche Kenntnisse auch über die anderen Gebiete haben - sozusagen einen astrobiologischen Überblick - und in interdisziplinären Teams komplexe Forschungsaufgaben bewältigen. Auch der Kontakt zu Ingenieuren, Raumfahrtspezialisten und schließlich der Politik und Öffentlichkeit ist wichtig. Es gibt im deutschen Sprachraum nur wenige Hochschulen, die innerhalb der Fachrichtungen Physik oder Chemie umfangreichere Kurse in Astrobiologie anbieten. Informationen erhalten interessierte Schülerinnen, die später einmal Astrobiologen werden möchten, auch bei der Deutschen Astrobiologischen Gesellschaft e. V. (DAbG) https://www.astrobiologie.de

Studienangebote und Fortbildungsangebote ASTROBIOLOGIE

  • Die Universität Hohenheim bietet u. a. im Studiengang "Earth und Climate System Sience" (Master) die Vertiefungsrichtung Astrobiolgie an, mit Praktikum der chemischen Evolution und Masterarbeit in Astrobiologie. Info: Prof. Dr. Strasdeit https://www.uni-hohenheim.de
  • Die TU Berlin bietet im Zentrum für Astrophysik und Astronomie die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Astrobiologie an. Info: Prof. Dr. Schulze-Makuch https://www-astro.physik.tu-berlin.de
  • Die Universität Potsdam bietet die Blockveranstaltung Astrobiologie im Institut für Biologie und Biochemie an. Infos: Dr. Jean-Pierre de Vera https://puls.uni-potsdam.de/
  • Die Universität Zürich bietet im Fachbereich Physik den BA (Minor) in Astronomie mit Astrophysik an. Info: https://www.berufsberatung.ch
  • Die Universität Edingburgh bietet einen Onlinekurs für Interessierte und Akademiker anderer Fachgebiete zur Einführung und für den Überblick an: Astrobiology and the Search for Extraterrestrial Life. Dieser Kurs ist kostenlos und kann nebenbei absolviert werden. Für ca. 45 Euro kann der Kurs auch mit Prüfungen absolviert werden, woraufhin man eine Teilnahmebestätigung erhält. Info: https://www.ed.ac.uk/studying/free-short-online-courses/subjects/science-engineering/astrobiology-and-the-search-for-extraterrestrial-l  oder hier: https://www.coursera.org/learn/astrobiology

Lehrbücher zur ASTROBIOLOGIE

  • Dirk Schulze-Makuch und William Bains: The Cosmic Zoo: Complex Life on Many Worlds ( Professor Schulze-Makuch lehrt an der TU Berlin, s. o. Im Mai 2019 kommt die deutsche Übersetzung: "Das lebendige Universum: Komplexes Leben auf vielen Planeten?")
  • Dirk Schulze-Makuch u. Louis N. Irwin: Life in the Universe: Expectations and Constraints 
  • Charles S. Cockell: Astrobiology: Understanding Life in the Universe (dieser Autor ist auch der lehrende Professor im Onlinekurs der Uni Edinburgh; ein umfassendes Buch)
  • Aleksandar Janjic: Lebensraum Universum: Einführung in die Exoökologie (knappe gut lesbare Einführung)
  • Mathias Scholz: Astrobiologie (umfassend)
  • Alan Longstaff: Astrobiology: An Introduction (umfassend, jedoch wenig Biologie)
  • David A. Rohery u. Iain Gillmour: An Introduction to Astrobiology (farbige, gute Bilder und Illustrationen)
  • Jean-Pierre de Vera u. J.-P. Seckbach: Habitability of other planets and satellites (Dr. Vera ist der Kursleiter der Blockveranstaltung an der Uni Potsdam, s. o. Das Buch ist eher nur auszuleihen, da sehr teuer) 
  • Michael Schetsche u. Andreas Anton: Die Gesellschaft der Außerirdischen: Einführung in die Exosoziologie (Soziologische Überlegungen zur Begegnung mit anderen intelligenten Gesellschaften)
  • Steven J. Dick: Astrobiology, Discovery and Social Impact (umfassende Überlegungen zu den Voraussetzungen und Auswirkungen eines Kontaktes)
  • Bennett/Donahue/Schneider/Voit: The Cosmic Perspective (hervorragendes, motivierendes Astrophysik-College-Lehrbuch für Studienanfänger u. BAs, mit vielen Abbildungen und nur sehr wenig Mathematik)
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© Coaching-Ausbildung mit Autor Dr. Björn Migge